Die Zukunft unseres Geldes - Womit zahlen wir zukuenftig?
Wird uns die Digitalisierung des Geldes die Verfuegungshoheit ueber unser Geldvermoegen kosten? Diese Frage stellt sich in den Jahren immer dringender. Abseits von Faktenpruefern oder Interessengemeinschaften moechten wir uns einmal dieser These widmen.
Entwicklung des Geldsystems seit 1943
Den Grundstein fuer das Geldsystem der Neuzeit legten die Regierungen von 44 Laendern am 1. Juli 1944 in Bretton-Woods (New Hampshire). Der sogenannte White Plan war Bestandteil des Bretton-Woods-Abkommens und hatte die US-Waehrung im Fokus. Alle anderen Waehrungen hatten zur US-Waehrung ein fixes Wechselverhaeltnis. Zur Deckung des US-Dollars wurde eine Goldparitaet beschlossen. Das Wechselverhaeltnis zwischen dem Dollar und einer Unze Gold wurde auf 35 Dollar je Unze Feingold (ca. 31 Gramm) festgelegt. Um die Goldparitaet des Dollars zu sichern, verpflichtete sich die Federal Reserve Bank of New York (FED), einer Privatbank, Gold zu diesem Preis unbegrenzt zu kaufen oder zu verkaufen. Das Abkommen das indirekte Ziel, Europa als Wirtschaftszentrum und als wichtigen Handelspartner der USA wiederherzustellen. Die Wechselkurse zwischen den Waehrungen sollten stabilisiert werden, sodass der Welthandel ohne Probleme und Handelsbarrieren vonstattengehen konnte und es keine Schwierigkeiten bei Zahlungsvorgaengen geben. Somit war ein wichtiger Meilenstein in Richtung Globalisierung erreicht. Die Regierungen der 44 Laender, die am Bretton-Woods-Abkommen teilgenommen haben, sind wie folgt (nach Kontinenten aufgeteilt):
Rueckblickend kann geschlussfolgert werden, dass das Bretton-Woods-Abkommen der Grundstein fuer ein neues globaleres und gleichzeitig kapitalistisches Wirtschaftssystem war.
Zur Sicherstellung des neuen Abkommens wurde zum einen die Weltbank und zum anderen der Internationale Waehrungsfonds (IWF) gegruendet. Beide Organisationen werden daher als Bretton-Woods-Institutionen bezeichnet. Die Kreditvergabe des IWF ist an wirtschaftspolitische Auflagen geknuepft, die die Rueckzahlung der Kredite sichern sollen. Anders als der IWF vergibt die Weltbank auch Kredite fuer spezielle Projekte. Wirtschaftspolitische Auflagen koennen beispielsweise Konjunkturpakete, Reduktion von Staatsausgaben, Privatisierung von Staatseigentum, etc. sein. Hier sei zu bemerken, dass diese Auflagen somit eine deutliche Lenkungsfunktion im globalen Wandel der letzten Dekaden hatten.
Das Ende der Goldparitaet
Im Jahre 1973 wurde dem Bretton-Woods-System massgeblich ein Ende gesetzt. Vorangegangen war die von Richard Nixon ausgerufene Abkopplung des US-Dollars von Gold. Seit dem 15. August 1971 hatte die US-Notenbank FED ploetzlich die Moeglichkeit, die Geldmenge unabhaengig von der Gelddeckung zu erzeugen. Parallel dazu blieb der US-Dollar weiterhin die weltweite Ankerwaehrung und somit wurde das sogenannte Triffin-Dilemma noch weiter verstaerkt, da der wachsende Welthandel zu einem steigenden Bedarf an Dollar-Waehrungsreserven fuehrte. Diese Geldmengen mussten vorgehalten werden und fuehrten auf der einen Seite zwangslaeufig zu inflationaeren Zustaenden und zum anderen zu staerkeren Abhaengigkeiten, da der US-Dollar in den nationalen Zentralbanken vorgehalten werden musste. In den Folgejahren brach der US-Dollar jedoch ein. Obwohl die Deutsche Bundesbank die Zinsen kontinuierlich senkte, floss weiterhin spekulatives Kapital in die Bundesrepublik, das die bundesdeutsche Inflationsrate zu erhoehen drohte. Am 17. Februar 1973 beschloss die Bundesregierung unter Willy Brandt ein sogenanntes Stabilitaetsprogramm zur Daempfung der Konjunktur und Begrenzung der Inflation. Zwischen dem 11. und 14. Maerz 1973 beschlossen mehrere europaeische Laender den endgueltigen Ausstieg aus dem System fester Wechselkurse und somit wurde das Bretton-Woods-System offiziell ausser Kraft gesetzt.
Fiat Geld und die Auswirkung auf unser Zahlungssystem
Seit 1973 hat das sogenannte Fiat Geld eine immer groessere Rolle eingenommen. Waehrend die Waehrungen bis 1971 zumindest teilweise durch Gold gedeckt waren, sind die Waehrungen der meisten Volkswirtschaften heute sogenannte Fiat-Waehrungen ohne Edelmetalldeckung. Die Bezeichnung "fiat" (lateinisch "es werde") deutet darauf hin, dass das sogenannte "Fiat Geld" allein durch politische Beschluesse eines Staates bzw. eines Staatenbundes bestimmt wird und sie Geld als gesetzliches Zahlungsmittel durch die Zentralbanken und die angeschlossenen Banken generieren laesst. Die Entstehung von Geld wird schon seit vielen Jahren nicht mehr durch das Drucken von Banknoten, sondern durch die Schaffung von sogenanntem Buchgeld ermoeglicht.
Der Wandel hin zum Buchgeld begann bereits in den 1950er Jahren. Behoerden sowie grosse und mittlere Unternehmen forderten unter anderem aus Rationalisierungsgruenden, Ende der 1950er-Jahre zunehmend Beamte, Angestellte und Arbeiter dazu auf, sich Lohn oder Gehalt auf ein Bankkonto auszahlen zu lassen. Bereits ab 1957 hatten in Deutschland Bankkonten bereits die bare Lohn- und Gehaltszahlung mittels Lohntuete verdraengt, weil immer mehr Unternehmen und Kommunalverwaltungen dazu uebergingen, Loehne und Gehaelter bargeldlos zu ueberweisen. Mit der flaechendeckenden Einfuehrung der Bankautomation und der zunehmenden Computerisierung konnte die Bewaeltigung des gewuenschten Massengeschaeftes ermoeglicht werden. Bereits 1958 gab es in der Sparkassenorganisation etwa 4 Millionen Girokonten. Fuer die Grossbanken standen Privatkunden im Fokus und begannen im grossen Stil damit, Lohn- und Gehaltskonten einzurichten. Mit dem Wegfall der baren Lohntueten aenderte sich der Umgang mit Bargeld zunehmend, da beispielsweise Mieten und sonstige laufenden Kosten immer seltener in bar beglichen wurden. Somit veraenderte sich der Wertspeicher zunehmend hin vom physischen zum "digitalen" Portemonnaie bei den diversen Banken. Auch die Vergabe von privaten Schuldverschreibungen (Krediten) wurde durch die Erzeugung von Buchgeld deutlich erleichtert und befluegelte in besonderer Weise die inlaendische sowie globale Marktwirtschaft. Das Befluegeln der Marktwirtschaft mit einer gleichzeitig stetig sinkenden Kaufkraft laesst schnell erahnen, dass sich zu dieser Zeit ein Ungleichgewicht zwischen realem verfuegbarem Barvermoegen und angebotenen Guetern aufbaute. Bankkredite jeglicher Art erfreuten sich einer immer groesseren Beliebtheit, da der Kreditgeber dem Kunden unkompliziert den vereinbarten Kreditbetrag gutschreiben konnte und der Konsum von neuen Guetern weitaus weniger kompliziert erfolgen konnte.
Der Vorstoss der Digitalisierung
Die Digitalisierung und somit die Vernetzung von Kartenlesegeraeten und Bankennetzwerken nahm in den 1980er Jahren immer weiter zu. Schon bereits in den 1990er Jahren war in Deutschland und Europa endgueltig klar, dass das bargeldlose Bezahlen nicht mehr verschwinden wuerde. Kartenlesegeraete wurden nach und nach in vielen Unternehmen (z.B. Supermaerkten und Modegeschaeften) eingefuehrt. Zur gleichen Zeit verlor das Scheck-System gleichzeitig an Bedeutung und das Electronic Cash (EC) Verfahren uebernahm gerade bei den juengeren Marktteilnehmern die Fuehrung im Bezahlverfahren. Die aelteren Marktteilnehmer waren eher verhaltener bei der bargeldlosen Zahlung. Schliesslich wurden Lebensmittel und geringwertigere Konsumgueter bis in die 1980er Bargeld bezahlt. Die Grundlage fuer die kontaktlose Bezahlung wurde durch die Einfuehrung Girokarte im Jahre 2007 wurde aus der EC-Karten die Girokarte. Auch wenn es jeder bemerkt hat. Nicht jeder hat diese Umstellung ueberhaupt bemerkt. Dahinter steckte ganz einfach, dass der Magnetstreifen auf Karten abgeloest wurde. Stattdessen setzten Banken nun auf die Chiptechnologie. Somit war die Grundlage fuer kontaktloses Bezahlen geschaffen.
"Die Pandemiejahre ab 2020 waren der Beginn der Digitalisierung". Diese Aussage laesst sich in vielen Veroeffentlichungen lesen. Die Pandemiejahre haben die bargeldlose Zahlung zwar intensiviert jedoch nicht initiiert. Das linke Schaubild zeigt die Nutzung von Zahlungsmitteln in den Jahren 2021, 2022 sowie 2023.
Eine weitere Veraenderung ergab sich in den Folgejahren fuer alle Sparer (und die es werden sollten). Durch die Einfuehrung von Sparkonten verschob sich das Sparguthaben fuer das eigenen Ersparte mehr und mehr vom physischen Sparschwein zum Sparbuch bei der oertlichen Bank. Die Schaffung von Sparkonten hatte in zweierlei Hinsicht einen positiven Effekt. Zum einen ermoeglichte es den Banken, Bargeldbestaende aufzubauen und zum anderen, Geld an andere Kunden zu verleihen und jedem Sparer wurde und wird weiterhin fuer das indirekte Verleihen des Geldes, einen Zins gutgeschrieben.
Bargeldlose Zahlungen haben im Hinblick auf die Pandemiejahre einen starken Auftrieb erfahren. Wurden bis 2019 Restaurantbesuche oder Einkaeufe mehrheitlich noch mit Bargeld beglichen, durften Kunden waehrend der Pandemiezeit schon bereits kleine Betraege mit der Karte begleichen. Die Zahlungen per Geldkarte ersetzt zunehmend die Bargeldzahlungen. Doch wie verhaelt es sich mit den Bargeldreserven der Haushalte?
Bargeld hat per Gesetz eine einzigartige Funktion. So legt ยง 14 Absatz 1 des Gesetzes ueber die Deutsche Bundesbank (BBankG) analog zur europaeischen Rechtslage fest, dass die Deutsche Bundesbank unbeschadet des Artikels 128 Absatz 1 des Vertrages ueber die Arbeitsweise der Europaeischen Union das ausschliessliche Recht hat, Banknoten im Geltungsbereich dieses Gesetzes auszugeben. Der Trend hin zum digitalen Portemonnaie ist bei den juengeren Bevoelkerungsschichten bereits jetzt schon angekommen, bei aelteren Bevoelkerungsgruppen wird jedoch noch gerne mit Bargeld gezahlt. Dies laesst sich jedoch auch darauf zurueckfuehren, dass BigTech Unternehmen zunehmend als Anbieter von Finanzprodukten auf den Markt gelangen.
Die Abwendung vom Bargeld erhoeht zunehmend die Akzeptanz des sogenannten digitalen Gelds. Neben den gaengigen Bezahlmoeglichkeiten hat PayPal eine grosse Akzeptanz erfahren. Transaktionen zwischen Privatpersonen werden somit nicht mehr mit Bargeld, sondern per Paypal Guthaben bzw. Bankguthaben beglichen. Die Art und Weise, wie BigTechs in den originaeren Zahlungsverkehr eindringen, ist vielfaeltig. Sie geben beispielsweise eigene Kreditkarten durch die Kooperation mit Banken heraus. Wie PayPal bieten sie eigene Zahlungssysteme an, z. B. im ECommerce, und verbinden dies teilweise mit dem Angebot von Haendler- sowie Konsumentenkrediten. Andere Anbieter bieten ihren Nutzern ganze Konsum- und Dienstleistungsoekosysteme, wie etwa der chinesische Anbieter WeChat von Tencent. Hier geht es darum, dass mit einer App alle Bedarfe des Alltags abgedeckt werden koennen (z. B. Kommunikation, Lebensmittelbestellungen, Organisation von Arztterminen, Verwaltungsdienstleitungen) und dies mit einer Bezahlfunktion verknuepft wird (sogenannte Economies of Scope). Ebenso koennen BigTechs, wie von Facebook geplant, auf ihren Plattformen eigene Zahlungsmittel (Krypto-Asets mit Bezahlfunktion) anbieten (sogenanntes Interview Schrade). Die Rahmenbedingungen fuer diesen Wandel wurden bereits im Jahre 2015 durch die Richtlinie (EU) 2015/2366 geschaffen.
Das Zeitalter des digitalen Geldes
Eine sehr entscheidende Technologie, die fuer die Nutzung des digitalen Geldes notwendig ist, wurde im Jahre 2008 eingefuehrt. Wie im Krypto Magazin* zu finden ist, wird die Blockchain zusammen mit dem Bitcoin in Verbindung gebracht. Im Jahre 2013 erreichte der Bitcoin zum ersten Mal einen Gegenwert von 1.000 USD. Der Weg des Bitcoins hat bis zu diesem Zeitpunkt jedoch einen schweren Weg zurueckgelegt, da die Akzeptanz zu dieser Art von Wertspeicher noch nicht durchgaengig moeglich war und bis heute weiterhin nicht ermoeglicht wird. Mit Anbruch der Pandemiejahre im Jahre 2019 (Covid-19 auch umgangssprachlich Corona genannt) haben sich diverse Plattformen abgebildet, die bis heute noch existieren oder fatalerweise geschlossen wurden (vgl. Sam Bankman Fried's FTX). Die Intention dieser Plattformen war und ist es, eine Alternative zum Bitcoin zu schaffen und diverse programmierbare Muenzen (sogenannte Coins) zu sammeln, gegen Fiat Geld zu wechseln und - aehnlich wie an der Boerse - zu handeln, und zwar mit der Intention, gewinnbringenden Handel durchzufuehren. *https://www.krypto-magazin.de/geschichte-und-entwicklung-der-blockchain-von-den-anfaengen-bis-heute/ Gerne werden sogenannte Kryptowaehrungen zusammen mit Bitcoin genannt. Zwischen beiden Arten gibt es jedoch einen sehr entscheidenden Unterschied. Waehrend der Bitcoin dezentral ist und von keiner Instanz gesteuert werden kann, sind die eigentlichen Kryptowaehrungen grundsaetzlich zentral gesteuert (vgl. Ripple, Etherium). Kryptowaehrungen sind bekannt fuer ihre starke Volatilitaet (Preisschwankungen). Diese Volatilitaet kann sowohl hohe Renditechancen als auch Risiken fuer erhebliche Verluste einbringen. Aufgrund seiner Marktkapitalisierung und Akzeptanz gilt der Bitcoin als vergleichsweise etablierter als andere Kryptowaehrungen (sogenannte Altcoins). Ein sehr entscheidender Punkt fuer das Handeln von Kryptowaehrungen ist die Verfuegbarkeit der Handelsboersen, da Kryptowaehrungen rund um die Uhr gehandelt werden, waehrend Aktienmaerkte feste Handelszeiten haben. Des Weiteren sind Aktienmaerkte staerker reguliert, was einen gewissen Anlegerschutz bietet. Kryptomaerkte sind dagegen deutlich weniger reguliert und aus diesem Grund anfaelliger fuer Manipulationen. Neben den oben genannten Kryptowaehrungen wird der sogenannte CBDC (Central Bank Digital Currency) seit 2021 verstaerkt in den Medien erwaehnt. Die Bedeutung CBDC bezieht sich auf "digitales Zentralbankgeld". Der CBDC wird als eine neue Art von Waehrung beschrieben, die weltweit experimentiert wird. In Nigeria wurde das Projekt im Jahre 2021 eingefuehrt und sollte fuer 14 Monate getestet werden. Aufgrund geringer Nutzung wurde entschieden, das Projekt einzustellen und Bitcoin sowie Kryptowaehrungen zu legalisieren. Neben Nigeria haben auch Daenemark, Japan sowie Ecuador das Interesse an der Einfuehrung von CBDCs verloren. Angesichts von Bitcoin und Kryptowaehrungen stellt sich ohnehin die Frage, warum wir bei all den derzeit existierenden sowie etablierten Waehrungen, zusaetzlich noch den CBDC benoetigen. Die Hoffnung fuer CBDC ist, dass es mehr Vorteile fuer die Benutzer haben soll. Bei den Befuerwortern gehoert die Verwendung neuer Zahlungstechnologien mittels Blockchain zum Trend, um die Effizienz der Zahlungen zu erhoehen und die Kosten zu senken. Jedoch bleibt die Frage des Eigentums des Geldes voellig unberuehrt. Das digitale Geld auf einem Konto ist nicht Eigentum des Kontoinhabers. Dieser hat lediglich ein Verfuegungsrecht. Erst durch Abhebungen von Bargeld, geht das Eigentum ueber. Es wird interessant, wie sich insbesondere das Thema Eigentumsverhaeltnis entwickeln wird.
Aus dem bereits genannten laesst sich resuemieren, dass die Blockchain 2008 zielfuehrend fuer die Einfuehrung des digitalen Geldes eingefuehrt wurde. Jeder Nutzer (Kunde bzw. Konsument) muss fuer sich selbst entscheiden, welche Variante des digitalen Geldes fuer ihn passend ist. Dennoch ist birgt die zentrale Steuerung des digitalen Geldes dieselben Risiken wie seit letztem Jahrhundert das Fiat Geld. Durch die geplante Einfuehrung der digitalen ID (geplante Testphase auch in Deutschland), lassen sich etwaige Dokumente, der Impfpass, die Patientenakte sowie das Zentralbankkonto dieser ID zuweisen. Somit sind alle Transaktionen ueber die Blockchain transparent und einsehbar. Mit anderen Worten wird durch die Blockchain Technologie eine konkrete Ueberwachung aller Transaktionen moeglich sein und die Zentralbanken koennen das digitale Geld fuer bestimmte Zwecke ermoeglichen sowie fuer andere verweigern.